Einführung in die Chartanalyse

Die Technische Analyse bzw. Chartanalyse ist so alt wie die Börse selbst. Schon die Gold- und Reishändler in Korea und Japan sollen den Überlieferungen zufolge im 17. Jahrhundert mit „Charts“ gearbeitet haben, wobei sich diese natürlich deutlich von den heutigen Point-and-Figure-Charts unterscheiden. Geht es um die Frage, wie viele Profitrader mithilfe der Chartanalyse traden, so teilen sich die Meinungen. Während die einen darauf schwören, sehen die anderen darin nur „Kaffeesatzleserei“. Tatsache ist aber, dass die Chartanalyse handfeste Vorteile bietet, weshalb hierauf im nachfolgenden Beitrag genauer eingegangen wird.

Inhaltsverzeichnis:

Allgemeines über die Chartanalyse

Es gibt unter Anlegern und Profiinvestoren wohl kaum ein anderes Thema, über das so häufig diskutiert wird: Die Chartanalyse und die Fundamentanalyse. Dabei werden immer wieder gegen beide Analysetechniken Vorbehalte und Kritik geäußert. Richtig ist aber hingegen, dass beide Analysemethoden ihre Vor- und Nachteile haben, die bei der Ergebnisinterpretation zu berücksichtigen sind. Erfahrene Trader bevorzugen es deshalb, beide Methoden miteinander zu kombinieren, umso einen wirklichen Mehrwert zu erhalten. Es darf nämlich auch nicht unbeachtet bleiben, dass beide Analysen die gleichen Ziele haben, nämlich dass der Kurs möglichst präzise bestimmt werden soll. Dabei liegt der Unterschied zwischen den beiden Analysemethoden lediglich in der Vorgehensweise.

Darüber hinaus gilt es zu beachten, dass eine exakte Prognose der Kursentwicklung mit beiden Methoden natürlich nicht möglich ist. Es geht lediglich darum, eine gewisse Wahrscheinlichkeit zu bestimmen, um nachfolgend zu traden und dabei möglichst einen Gewinn zu erzielen. Wertvolle Hinweise liefert die Chartanalyse vor allem beim kurzfristigen und spekulativen Handel, bei dem das Timing eine bedeutende Rolle spielt. Somit kann die Charttechnik bei dem Handel mit Binären Optionen tatsächlich hilfreich sein.

Grundlagen der Chartanalyse

Die Chartanalyse basiert auf folgendem Grundsatz: Alle Finanzmärkte bewegen sich in Trends, die durch zahlreiche unterschiedliche Faktoren entsprechend beeinflusst werden. Hier gilt es also, solche Entwicklungen und Kursmuster frühzeitig zu erkennen. Dabei spielt vor allem der sich aus Angebot sowie Nachfrage entwickelte Kurs, der die vergangenen und die gegenwärtigen Informationen wie auch die emotionalen und fundamentalen Faktoren (z. B. Manipulation oder Insiderinformationen) repräsentiert. Auch die zukünftig kursbeeinflussenden Faktoren spielen hier eine wichtige Rolle. Zusammengefasst heißt das, dass die Chartanalyse auf der Annahme basiert, dass bereits sämtliche Informationen im Kurs sowie in der Kursentwicklung enthalten bzw. eingepreist sind.

Arten von Charts

In einem Chart wird der Kursverlauf grafisch dargestellt. Dabei sind der Zeitablauf auf der X-Achse (links nach rechts) und der Kursverlauf auf der Y-Achse zu erkennen, wobei die Kursdaten meist in einer logarithmischen oder linearen Skala dargestellt werden. Jedoch kann es bei linearen Charts sein, dass sich die Darstellung verzerrt, wenn zu viele Datenreihen hinzugefügt werden. Aus diesem Grund ist es ratsam, eher auf logarithmische Charts zurückzugreifen, denn für die Chartanalyse ist es von großer Bedeutung, dass der Kurs unabhängig vom Zeitpunkt und vom Kursniveau gleich angezeigt wird. Hierzu wird der Kursverlauf bei den logarithmischen Charts in gleichmäßigen und prozentualen Intervallen dargestellt.

Trotzdem können grundsätzlich beide Chartformen betrachtet werden. In einigen Fällen stellt sich sogar heraus, dass lineare Charts die Widerstände, Unterstützungen wie auch Trendlinien genauere Bestätigungspunkte zeigen. Deshalb sollte der Kursverlauf immer auf beiden Charts betrachtet werden. Eine Entscheidung darüber, welcher Chart einen Mehrwert bietet, kann in der Regel schnell getroffen werden.

Arten von Kurs-Darstellungen

Liniencharts

Liniencharts sind wohl das Erste, worauf man trifft, wenn sich mit Chartanalyse beschäftigt wird. Da hier die Schlusskurse einfach miteinander verbunden werden, ist die Konstruktion dieser Charts auch ziemlich simpel. Mithilfe von professionellen Chartprogrammen kann die Linie zudem mit dem Eröffnungskurs, Tageshochkurs und Tagestiefkurs erweitert werden. Zwar ist die Darstellung im Linienchart sehr übersichtlich, dafür ist aber der Informationsgehalt marginal. Zu beachten ist, dass gerade die Eröffnungs-, Tageshoch- und Tagestiefkurse wichtige Fakten enthalten, die für eine gute Prognose der Kursentwicklung erforderlich sind.

Balken- und Kerzencharts

Balken- und Kerzencharts stellen genau diese wichtigen Fakten dar, wodurch eine umfassende Analyse möglich wird. Dabei sind die Informationen bei den Balkencharts wie auch bei den Kerzencharts gleich. Lediglich die Differenz zwischen Kurseröffnung und Schlusskurs im Kerzenchart besitzt eine höhere Bedeutung.

Alle zuvor genannten Charts können noch unter Berücksichtigung der Zeit und Volumen entsprechend erweitert werden, was in vielen Fällen für die Analyse sehr hilfreich ist.

Point-and-Figure-Charts

Bei den Point-and-Figure-Charts werden steigende Kurse mit einem „X“ und fallende Kurse mit einem „O“ dargestellt. Problematisch ist, dass eine Kursveränderung nur dann abgebildet wird, wenn sich der Kurs um eine Kästchengröße bewegt bzw. verändert hat.

Identifikation von Unterstützungen und Widerständen

Wichtig ist zunächst, dass horizontale Widerstände und Unterstützungen identifiziert werden können. Grundsätzlich bewegen sich Kurse nicht gerade auf einer Linie oder in eine bestimmte Richtung. Vielmehr bilden sie zahlreiche Hochs und Tiefs. Verbunden mit einer Linie, werden dann die Extrempunkte.

Unterstützungen zeigen sich dahingehend, dass sie unterhalb eines aktuellen Kurses liegen. Hier wird das Kauf- und Verkaufsinteresse quasi kompensiert. Hingegen können bei Widerständen starke Gewinnmitnahmen beobachtet werden, wenn ein bestimmtes Kursniveau erreicht ist. Hier übersteigt das Angebot die Nachfrage. Für beide gilt aber, dass die Relevanz immer bedeutender wird, je öfter die zuvor genannten Bereiche vom Markt bestätigt wurden. Hier könnte ein dynamischer Trendbruch erfolgen. Sollte ein Kurs einen Widerstand oder eine Unterstützung durchbrechen, so wird aus der Unterstützung ein Widerstand und umgekehrt.

Ein wichtiges Kriterium in der Chartanalyse sind auch die sogenannten runden Kursmarken. Nicht selten steigen oder fallen Kurse bis an solche Marken, bevor eine Seitwärtsbewegung einsetzt. Widerständen und Unterstützungen lassen sich aus früheren Kursbewegungen abbilden, während es sich bei den runden Kursmarken um psychologische Bereiche bzw. Schwellen handelt. Diese besitzen eigentlich keine charttechnische Grundlage.

Kurszielbestimmung mithilfe von Rechtecken

Horizontale Widerstände und Unterstützungen beinhalten weitere Möglichkeiten, denn wenn die wichtigsten Barrieren einmal betrachtet werden, so fällt nämlich auf, dass die Abstände oftmals einer Regelmäßigkeit unterliegen. Es kommt also zu gleich großen Kursschüben zwischen den Unterteilungen, was sich mithilfe von unterschiedlichen Zeitperioden beobachten lässt.

Der Kursverlauf wird häufig über längere Zeit von Rechtecken bestimmt, wobei der eigentliche Vorteil in der Kurszielbestimmung liegt. Sollte ein Kurs aus solch einem Rechteck ausbrechen, so befindet sich das Kursziel in der Rechteckhöhe entweder über oder unter der Seitwärtsbewegung. Dabei kommt die Rechtecke-Methode vor allem dann zum Einsatz, wenn keine Widerstände mehr identifiziert werden können. Ein Rechteck wird dann einfach auf oder unter dem bereits Bestätigten eingezeichnet, und zwar in die Ausbruchsrichtung. Hierdurch zeigt sich dann, wie weit der Kurs wahrscheinlich laufen wird. Sollte der Kurs unter dem Rechteck bereits scheitern, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass der Kurs seine Stärke verliert und eine Rückkehrbewegung anstrebt.

Unsere Empfehlung:

BDSwiss Banner

50€ Bonus für Ihren ersten Trade!
Jetzt BDSwiss Bonus einlösen

BDSwiss - Testsieger in unserem Binäre Optionen Broker Vergleich!

Bestimmung der Trends

Zu Beginn der Chartanalyse wird ein Trend bestimmt. Dabei laufen Kurse entweder in einer

  • Aufwärtsbewegung
  • Abwärtsbewegung

oder in einer

  • Seitwärtsbewegung.

Ein Abwärtstrend liegt vor, wenn sich extreme Kursausschläge, also Hoch- bzw. Tiefpunkte, unter dem den vorherigen Kursausschlägen befinden. Liegen hingegen die Reaktionstiefs und -hochs über den vorherigen Bereich, so liegt ein Aufwärtstrend vor.

Wenn Kurse anhaltend über einen längeren Zeitraum steigen handelt es sich um eine sogenannte Hausse (übersetzt aus dem französischen: steigend). Sinkt der Kurs hingegen anhaltend, so wird dies als Baisse (übersetzt aus dem französischen: fallend) bezeichnet. Hier gilt die Regel: Sollten Kurse über eineinhalb Jahre oder alternativ um mehr als 20 Prozent fallen, liegt der sogenannte Bärenmarkt vor. Kommt es nur zu vorübergehenden Rückgängen des Kurses liegt eine Konsolidierung vor.

Trends zeigen sich aber nicht nur in Richtungen, sondern sie werden auch nach der zeitlichen Dauer eingeteilt. Hier ist wie folgt zu unterscheiden:

  • Primärtrend (langfristig): Der Primärtrend wird auch als Haupttrend bezeichnet und stellt eine wichtige Komponente der Trends dar. Dieser dauert ein Jahr bis mehrere Jahre.
  • Sekundärtrend (mittelfristig): Dieser Trend dauert mehrere Wochen bis Monate bis hin zu einem Jahr.
  • Tertiärtrend (kurzfristig): Dieser Trend dauert mehrere Tage bis zu einigen Monaten.

Bei der Chartanalyse auf Tagesbasis sollte man auch immer den Wochenchart im Blick behalten, da jeder Trend ein Teil des übergeordneten Trends ist. Darüber hinaus betrachten Profitrader auch das Handelsvolumen, wobei sich der Umsatz stets hin zum bestehenden Trend bewegen sollte. Ein Aufwärtstrend kann somit mithilfe eines zunehmenden Handelsvolumens bestätigt werden.

Einzeichnen von Trendlinien

Neben der Bestimmung der Trends ist es auch wichtig, dass Trendlinien eingezeichnet werden. Ein Aufwärtstrend liegt vor, wenn sich ein Tiefpunkt oberhalb des vorherigen Zwischentiefs befindet. Hier können die unterschiedlichen Extrempunkte zu einer Geraden miteinander verbunden werden. Kommt es zu vielen fallenden Hochpunkten, zeichnet sich ein Abwärtstrend ab.

Bei den eingezeichneten Trendlinien ist nicht nur der Neigungswinkel wichtig, sondern auch die Historie. So sollte eine Trendlinie nur dann eingezeichnet werden, wenn mindestens drei Berührungspunkte zu erkennen sind. Die Relevanz erhöht sich, je länger die Trendlinie eingezeichnet werden kann. Ebenso kann von einer erhöhten Relevanz ausgegangen werden, wenn die Trendlinie flacher verläuft und die Trendlinie von einem Kurs „verletzt“ wird, weil ein höheres Handelsvolumen vorliegt.

Formationen und Kursmuster

In der Regel bilden Kurse innerhalb eines Trends verschiedene Kursmuster. Dabei zeigen Trendfortsetzungsformationen eine Korrekturbewegung in einem Sekundärtrend oder auch einem Tertiärtrend an, und zwar bevor sich die alte Bewegung weiterbewegt. Besonders wichtig sind hier Trendumkehrformationen.

Ein ursprünglicher Trend setzt sich fort, wenn durch die Trendbestätigungsformationen angezeigt wird, dass sich nach einem Ausbruch eine Formation zeigt. Diese Formationen gibt es als Rechteck, Dreieck und Flagge.

  • Rechteck: Die Kurse bewegen sich innerhalb der Handelsspanne (Rechteckformation) zwischen zwei horizontalen Linien, die parallel verlaufen. Je länger die Handelsspanne dauert und je enger sie wird, desto höher wird die Relevanz.
  • Dreieck: Treffen sich an der Spitze (Kreuzpunkt) zwei konvergierende Trendlinien, so zeichnet sich ein Dreieck ab. Liegt der Schlusskurs außerhalb dieser beiden Linien, wird die Formation vollendet. An Relevanz verliert das Dreieck, wenn der Kurs nach dreiviertel der Strecke aus der Formation ausbricht.
  • Flagge: Flaggenformationen gelten als sehr zuverlässig. Dabei neigen sie sich stets gegen den Haupttrend. Hier wird wiederum zwischen der „bullishen Flagge“ (Flagge ist im Aufwärtstrend abwärts geneigt) und der „bearishen Flagge“ (Flagge ist im Abwärtstrend aufwärts geneigt). Oftmals treten diese Formationen nach starken Kursveränderungen auf und einer kurzen Erholungsphase auf. Durchbricht der Kurs die Trendlinie und nimmt den alten bzw. vorherigen Trend wieder auf, so ist die Flaggenformation vollendet.

Im Gegensatz zu Trendfortsetzungsformationen bezeichnen Trendwendeformationen einen wichtigen Trendwechsel. Die Wahrscheinlichkeit ist dann hoch, dass sich ein neuer Trend abbildet. Trader, die mittel- bis langfristig handeln möchten, sollten solche Gelegenheiten besonders genau an den Märkten verfolgen. Dabei ist die Voraussetzung für eine Umkehrformation, dass ein Trend vorliegt.

Die wichtigste Formation ist die W-Formation (Doppel-Boden). Steigt der Kurs über das Zwischenhoch an, so ist diese Formation beendet. Das Ende einer Aufwärtsbewegung zeigt hingegen die M-Formation oder das Doppel-Hoch an. Hier wird das Verkaufssignal durch die Unterschreitung eines Zwischentiefs beim Doppel-Hoch ausgelöst.

Die Schulter-Kopf-Formation – kurz SKS – gehört aber wohl zu den wichtigsten und zuverlässigsten Umkehrformationen. Es kommt zunächst zu einer Aufwärtsbewegung, dann zu einer Abwärtsbewegung und wieder zu einer Aufwärtsbewegung. Es zeigen sich also zwei Zwischenhochs und das mittlere Hoch erreicht das höchste Kursniveau. Flankiert wird es von zwei Zwischenhochs. Die Nackenlinie wird durch die zwei auf demselben Kursniveau liegenden Rücksetzer gebildet. Fällt der Kurs nun von der rechten Schulter wieder zurück, entsteht das Verkaufssignal, wenn der Kurs das Niveau der Linie am Nacken nach unten hin durchbricht. Ein Kaufsignal entsteht hingegen bei einer spiegelverkehrt SKS. Hier werden dann drei Tiefs ersichtlich, wobei das mittlere Tief das tiefste Kursniveau erreicht und von zwei hohen Zwischentiefs flankiert wird. Sollte der Kurs an der rechten Schulter steigen und die Nackenlinie nach oben durchbrechen, so entsteht das Kaufsignal.

Fazit zur Chartanalyse

Grundsätzlich ist das Umsetzen der Chartanalyse nicht einfach, denn es gibt keine allgemeingültigen Regeln. Zu beachten ist, dass ein Schlusskurs auf Wochenbasis grundsätzlich relevanter ist, als auf einer Tagesbasis. Um die Chartanalyse zu vereinfachen kann es oft hilfreich sein, wenn bestimmte Filter eingesetzt werden. Wichtig ist hier vor allem ein Filter, mit dem zwischen einem Durchbruch und einem Fehlsignal unterschieden werden kann. Wird beispielsweise ein Kursfilter oder ein Zeitfilter gesetzt, so können sich bereits mögliche Kauf- oder Verkaufsentscheidungen ergeben.

Die Anwendung der Chartanalyse wird umso einfacher, desto mehr geübt wird. Wer regelmäßig übt, lernt und Erfahrungen sammelt, wird schon bald merken, dass alles nicht so kompliziert ist, wie es sich zunächst anhört. Dass die Auseinandersetzung mit der Chartanalyse lohnenswert ist, wird sich dann auch bald in den Gewinnen zeigen.

Ein Artikel von IID.de
Einführung in die Chartanalyse am 23.07.2015 mit 5.0 von 5

BDSwiss Banner